Eine für 3 Tage geplante Live-Konferenz lässt sich schwierig auf maximal 3,5 Stunden ‘herunterdampfen’. Welchen Lösungsansatz gibt es dafür (außer extrem kürzen)?
Eine dezidierte Event-Plattform schaffen, welche die geplanten Inhalte in anderer Form transportiert (z.B. Videos als Interviews oder Video-Präsentationen, eLearnings, Pre-Reads etc.) und schon vor und über das Hauptevent hinaus bereitsteht. Hier kann auch eine Community aufgebaut werden, um nachhaltig die Zusammenarbeit zu fördern. So entsteht auch eine langfristige Dramaturgie oder “Learner’s/Participant Journey”.
Kann man eine 6 stündige Konferenz digital durchführen?
Kann man. Man sollte aber auf ausreichende Pausen achten und einen ansprechenden Mix aus Formaten und ggf. Tools wählen, um die Aufmerksamkeit anhaltend hoch zu halten. Interaktive Workshop-Formate sind dabei ein Muss, 6 Stunden “Musik von Vorne”, sprich Vorträge, würden verpuffen, da die Teilnehmer davon nichts wirklich im Gedächtnis speichern können. Das hat einen neurobiologischen Hintergrund: Präsenz-Veranstaltungen ermöglichen tatsächlich einen verlängerten Wissenstransfer, da mehr Sinne angesprochen werden. Man muss sich den Hippocampus (welcher im Hirn für die Verankerung von Wissen im Gedächtnis durch Verarbeitung im Schlaf zuständig ist) wie einen Zwischenspeicher vorstellen, der für jeden Sinneseindruck einen unterschiedlichen Speicherabschnitt bereitstellt. Setzt man z.B. ausschließlich auf klassische Vorträge ist der Speicher für auditiven Input recht bald voll, auch wenn er durch z.B. Bilder unterstützt wird. Es gilt also, obwohl man online/digital ist, möglichst auch andere Sinne anzusprechen – was sicherlich auch die größte Herausforderung ist.
Wie lange sollte ein Webinar sein, damit das Interesse nicht schwindet?
Das ist sehr stark von Thema, Relevanz, Qualität des Sprechers, Qualität des Vortrags, Dramaturgie und Methodik abhängig.
Oft liegt man bei 30-45 Minuten plus 10-15 Minuten für Fragen gut im Rennen.
Gibt es optimale Tageszeiten für Webinare/ Online Workshops? (basierend z.B. auf Umfragen)
Das ist von Zielgruppe zu Zielgruppe sehr unterschiedlich. Eine generelle Aussage ist schwer zu treffen. Grundsätzlich ist die beste Zeit zum aktiven Lernen zwischen 10:00 und 11.30 Uhr (also nicht zu kurz nach dem Frühstück und um den Teilnehmern die Gelegenheit zu geben, ein paar To-Do’s für den Tag im Kopf abhaken zu können). Nachmittags dann wieder zwischen 14:00 und 16:00 Uhr (also auch nicht zu direkt nach dem Mittagessen oder zu kurz vor dem Feierabend).
Bei Wochentagen gilt zu bedenken, dass die Montage in Unternehmen häufig für viele interne Meetings genutzt werden und Freitag oft halbe Tage sind und kurz vor dem Wochenende eher unwillkommen für Veranstaltungen. Ausnahmen bestätigen aber die Regel: Bei Ärzten kann der Freitag/Samstag zum Beispiel Sinn machen.
Ist es sinnvoll, eine Veranstaltung in mehrere Teile zu zerlegen und diese an mehreren Tagen stattfinden zu lassen, damit sie besser in den Tagesablauf passt?
Absolut! Wichtig ist trotzdem ein verbindender roter Faden, z.B. durch visuelle Elemente, die konsistent genutzt werden (z.B. ein Intro-Video, welches die Teile jeweils eröffnet). Dies generiert einen Wiedererkennungswert und lässt Sie die Teilnehmer entsprechend in den “Event-Modus” versetzen. So verankert sich das Erlebte auch als zusammenhängender Inhalt in den Köpfen, obwohl die Elemente voneinander getrennt veranstaltet wurden.
Ist es wirklich sinnvoll ein virtuelles Event länger als einen Tag (2 Tage kürzere Zeit) zu veranstalten ohne dass es zu langwierig wird?
In den meisten Fällen ja. Insbesondere, wenn es um Wissensvermittlung geht. Wenn es mehr um Motivation und Unterhaltung geht, ist es nicht zwingend erforderlich.
Was ist die optimale Länge für ein virtuelles Event?
Pauschal lässt sich das nicht sagen. Viel wichtiger ist es, den zu transportierenden Inhalt bestmöglich zu vermitteln – sprich: Die ideale Länge für jeden Teilabschnitt zu erzielen, damit die Inhalte auch ankommen und verinnerlicht werden. Das hängt natürlich auch davon ab, wie gut die Vorkommunikation geleistet wird. Es gibt beispielsweise Themen, bei denen es sich anbietet, den Inhalt vorab als eLearning oder Pre-Read bereitzustellen und beim Live-Event selbst dann nur noch ein 10-15 Minütiges Q&A für Rückfragen durchzuführen, anstelle eines einstündigen Vortrags.
Wie lange sollte eine Pause idealerweise sein? Und wie könnte so eine Pause aussehen bzw. was zeige ich in dieser Zeit auf dem Bildschirm?
Das hängt davon ab, wie viel Inhalt vor der Pause vermittelt wurde. Es empfiehlt sich natürlich den Teilnehmern ein wenig Zeit zu geben, insbesondere in Homeoffice-Zeiten, um noch ein paar Dinge erledigen zu können und den Kopf einmal freizubekommen.
Je nach Gruppe kann die Pause aber auch für kleine Teambuildings genutzt werden, z.B. über eine gemeinsame Pinnwand, die die Teilnehmer mit kurzen Video-, Text- oder Fotobeiträgen während der Pause mit ihren Gedanken füllen können. Beispielsweise bei einem Spaziergang im Park. Auch kann man in Pausen Yoga oder andere Entspannungsübungen anbieten, sofern es sich nicht um eine Mittagspause handelt. Es gibt viele Möglichkeiten, auf dem Bildschirm sollte sich jedoch immer ein Timer, der die Zeit bis es weiter geht, sowie das Veranstaltungslogo befinden.